Brief ans Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Autor: VSHF

Herrn Jean-Pierre Egger
Avocat
58, Rue du 31. Dezembre


1207 Genève



Ihre Anfrage betreffend Hanföl, Hanfextrakt und Hanftinktur


Sehr geehrter Herr Egger,


Ihre Anfrage beantworte ich etwas verspätet, was einerseits auf grosse Arbeitsüberlastung und Auslandabwesenheit und andererseits auf die nicht einfache Abklärung historischer Vorgänge zurückzuführen ist. Ich bitte dafür um Verständnis. Da unser Übersetzungsdienst zur Zeit unterdotiert ist, gestatte ich mit zudem, diese Antwort auf Deutsch abzufassen, damit keine weitere Verzögerung entsteht.


Arzneimittel auf Hanfbasis sind von der schweizerischen Registrierungsbehörde bisher nicht zugelassen worden. Der wissenschaftliche Beweis für eine entsprechende Wirksamkeit ist deshalb im heutigen Zeitpunkt in unserem Land nicht gegeben und wäre im Rahmen eines normalen Registrierungsverfahrens für Arzneimittel erst noch zu erbringen (zuständig dafür wäre die Interkantonale Kontrollstelle für Heilmittel IKS). Arzneimittel dürfen in der Schweiz nur mit Bewilligung der zuständigen Behörden in den Handel gebracht werden. Eine solche Bewilligung liegt für Hanfpräparate zur Zeit nicht vor. Heilanpreisungen müssen zudem auch bei magistraler Verschreibung oder Abgabe belegt sein. Auch diese Beweisführung fehlt zur Zeit für diese Präparate.


Im Schweizerischen Arzneibuch gab es eine Monographie für Hanf als Pflanze (Herba cannabis sativa) und eine für die Tinktur (Tinctura cannabis) in der vierten Ausgabe von 1907 und in der fünften Ausgabe von 1936. Bereits der Kommentar zum Arzneibuch von 1947 hielt fest, dass die Tinktur nur noch selten und die Pflanze als Sedativum nur in Kombination mit anderen Hypnotica verwendet wird. Mit dem Inkrafttreten des Betäubungsmittelgesetzes von 1951 (BetmG) ist die Tinktur verschwunden und das Hanfkraut zur Betäubungsmittelgewinnung und das Harz seiner Drüsenhaare (Haschisch) wurden in Art. 8 Absatz 1 d (BetmG) sogar expressis verbis verboten. Damit sind Präparate, die als einen der Wirkstoffe allenfalls Haschisch enthalten, in der Schweiz ebenfalls verboten.

Das Vorwort zum Supplementum Secundum der 5.
Ausgabe des Arzneibuches von 1954 hält deshalb fest: “En application de la loi fédérale sur les stupéfiants la teinture du chanvre fut biffée, tandis que Herba Cannabis entre maintenant dans la catégorie des stupéfiants.“ In der sechsten Ausgabe des Arzneibuches ist Herba Cannabis konsequenterweise nicht mehr aufgenommen worden und auch das aktuell geltende Arzneibuch (siebte Ausgabe) führt das Hanfkraut ebensowenig wie Hanfpräparate. Es kann deshalb auch nicht argumentiert werden, die Pharmakopöe lasse Hanfpräparate zu.


Der Anhang 2 der BAG-Verordnung zum Betäubungsmittelgesetz führt zudem unter der Liste der verbotenen Halluzinogene alle Isomere des Tetrahydrocannabinol auf. Präparate, die diesen Wirkstoff enthalten, sind demzufolge im heutigen Zeitpunkt in der Schweiz ebenfalls verboten.


Zusammenfassend lässt sich in Beantwortung Ihrer Frage festhalten, dass Hanfpräparate als Arzneimittel nach heute geltendem Recht nur in den Handel gebracht werden dürfen, wenn sie weder THC noch Haschisch enthalten und wenn sie vorgängig als Arzneimittel registriert wurden. Gleiches gilt für die magistrale Verschreibung, deren Kontrolle den Kantonen obliegt. Auch hier müssen wie bei einer Registrierung allfällige Indikationen und Heilanpreisungen belegt sein.


Ich bitte höflich um Kenntnisnahme und verbleibe mit freundlichen Grüssen


Bundesamt für Gesundheitswesen
Abteilung Pharmazie
Der Leiter



 


 


 


Paul J. Dietschy


5. August 1994 / PJD


Kopie mit Kopie der Anfrage an
– IKS, Chef Registrierung, Herrn Dr. Rolf Spang
– Präsident der Kantonsapothekervereinigung, Herrn Dr. Christian Robert mit Bitte um Information der Kantonsapotheker über die Rechtslage