Vademecum zu Hanfkraut und das BetmG

Das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) ist ein kleinformatiges Spezialgesetz, Teil der Schweizer Gesundheits gesetzgebung, es regelt die Produktion und die Verwendung von suchtbildenden, laborhergestellten Stoffen und Präparaten, die aus alkaloidhaltigen Pflanzen hergestellt und als Medikamente eingesetzt werden (können). Das BetmG ist ein Spezialgesetz über betäubende und suchtbildende Stoffe und Präparate. Das BetmG bedient sich, wie auch andere Spezialgesetze (z.B. über Stromtransport oder Luftseilbahnen- sicherheit), eines spezi- fisch-exaktwissenschaftlichen Wortschatzes, der immer einzuhalten ist, andernfalls gezwungenermassen das BetmG missverstanden und daher falsch ausgelegt wird.

Wir erinnern daran, dass unter Betäubungsmittel Stoffe zu verstehen sind, die ordentlicherweise als Arznei- mittel verwendet werden(Botschaft des Bundesrates vom 19. September 1932, Bundesblatt 1932, Kapitel 1 ‚Begriffsbestimmungen’, S. 530).

Als Arzneimittel gelten Stoffe und Stoffgemische, die zur Erkennung, Verhütung und Behandlung von Krankheiten bestimmt sind (Bundesgesetz über die Pharmakopöe (Pharmakopöegesetz, PhaG, vom 6. Oktober 1989).

Verbotene Betäubungsmittel allgemein im Sinne des BetmG sind besonders suchtgefährliche Betäubungs- mittel” (Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung; Bbl 1968, S. 775) oder besonders schädigende Sub- stanzen, ohne jeglichen bekannten Nutzen zur Behandlung von Menschen” (UNO-Kommentar zum 1961-Einheitsabkommen, 1975, S. 847).

Unter dem Begriff des ‚suchtgefährlichen Betäubungsmittels’ ist das einheimische, nicht-narkotische Hanfkraut schwerlich einzuordnen, war es doch bis in den 70ger Jahren ein “von jedermann freiverkäufliches Linderungs- mittel” (Liste E der interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel, IKS).

Betäubungsmittel‘ sind galenische, sprich konsumfertige Substanzen oder Präparate als Heilmittel eingesetzt. Das ergibt sich auch aus den Titeln der systematischen Sammlung des Bundesrechts (SR): Haupttitel: “Heilmittel,” (SR 812); Titel: “Allgemeines. Sera und Impfstoffe. Betäubungsmittel” (SR 812.1); Untertitel: “Betäubungsmittel” (SR 812.121).

`Cannabis` (alias Marihuana, Gras) steht im fachlichen Bereich exklusiv für ‚indisches Hanfkraut (Resolution der Weltgesundheitsorganisation). Im Betäubungsmittelgesetz (BetmG) kommt das Wort ‚Hanf‘ (cannabis non-indica) nirgends vor, einzig das indische Hanfkraut (Cannabis) ist vor- handen (s. Art. 1 BetmG, italienische Fassung bis 2011). ‚Hanf‘ steht deutsch für den nicht-indischen Hanf, sprich für die althergebrachte mitteleuro- päische Sorte (cannabis sativa non-indica, diözisch).

Hanfkraut’, ein gesetzlicher Begriff aus der Pharmakopöe von 1949, beinhaltet die Blütenspitzen der Hanfkrautpflanze (Pharmacopea Helvetica, Ed. quinta, Nr.429). Ein Pflanzenteil (hier: das Kraut der Hanfkraut pflanze) ist aber kein pharmazeutisches Erzeugnis, sondern Teil eines Lebewesens. Ein Lebewesen lebt, ernährt, vermehrt sich und stirbt, nicht aber eine Laborsubstanz, die aus leblosem Material besteht.

Im ‚Joint‘ ist kein Hanf (non-indica) vorhanden. Der ‚Joint‘ ist nämlich nichts anderes als eine Zigarette (80%) mit beigefügtem (Gen)Cannabis (20%). Cannabis dient als Katalysator zur beschleunigten und verstärkten Einfahrt in die Blutbahn des Zigarettengifts (Nikotins, C10 H14N2, Todeseinzelmenge nur 30-50 mg). Ein Joint ist pharmakodynamisch eine gedopte, im Konsum deshalb hochgefährliche Zigarette. Cannabis alleine konsumiert wirkt als Ruhemittel, der Joint hingegen ist im Effekt ein Aufpeitschmittel. Der Jointraucher findet am Hanfrauchen, weil für ihn effektlos, keine Freude.

Eine ‚Droge‘ (vom niederländischen ‚droog‘= trocken) ist der getrocknete Teil einer Pflanze oder Wurzel und in einer Drogerie auch für Kinder freiverkäuflich zu haben. Der von Ihnen gebrauchte Ausdruck ‚illegale Droge‘ ist die Maximalisierung eines Falschverständnisses. Es gab/gibt in der Schweiz eine ‚Drogenliste‘ (Listen A-F IKS), jedoch kein Drogengesetz, wohl aber ein Betäubungsmittelgesetz (BetmG). Ein ‚Drogen- spezialist‘ heisst auf Deutsch schlicht und einfach ein Drogist. Wer also im Rahmen oder in Verbindung mit dem BetmG statt korrekt ‚Betäubungsmittel‘ den Terminus ‚Droge‘ braucht, zeigt Unwissenschaftlichkeit auf.

Der Wirkstoff des Cannabis ist das Harz (siehe dazu Pharmakologie und Art. 1 BetmG, Stand bis 2011), nicht das THC. Cannabis enthält nämlich per se kein delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), sondern einzig Vorläuferstoffe, die sich erst unter Hitzeeinführung zum Molekül delta-9-THC bilden. Zum Vergleich: Früchte enthalten kein C2H5OH (Alkohol), obwohl daraus das Betäubungs- und Verdum- mungsmittel Schnaps hergestellt wird. In der Frucht ist Zucker enthalten, der unter Hitzeeinwirkung zu C2H5OH wird. Es kommt also keiner Vernunftsperson in den Sinn, vom „C2H5OH-Gehalt der Aprikosen“ zu sprechen – dito soll es sein betreffs Cannabis und THC.

Nicht weniger ein krasser Verstoss gegen die objektive pharmazeutisch-wissenschaftliche Wahrheit ist von einer ‚Cannabisabhängigkeit‘ zu sprechen. Süchtigmachend in einem Joint ist nämlich nicht das beigegebene, mengenmässig bescheidene und abhängigkeitspotenzialfreie Cannabis, sondern dessen Hauptbestandteil, die Zigarette, mit (Synthese)Nikotin und vielen Giften beladen, dem Raucher schwere Gesundheits-und Gehirnsschäden zutragend („Rauchen tötet“- weltweit 10 Millionen jährlich, in der Schweiz täglich 30 Tote und 100 Schwererkrankte). Zu behaupten, dass mit Cannabiskonsum Abhängigkeit und mitgehende Probleme entstehen (können) ist ein grundfalsches Verhalten, unwissenschaftlich, irreführend und ein Verstoss gegen das richterliche Lauterheitsprinzip.

Jeder Arzt in der Schweiz hat die Aufgabe, das Recht und die Pflicht, seinen Patienten jenes zu geben, das deren Genesung und Gesundheit behilflich ist, alle Betäubungsmittel inbegriffen (s. Art. 9 BetmG Medizinalpersonen‘), e fortiori auch das Nicht-Betäubungsmittel ‚Cannabis‘ – so die heute geltende, in Geist und Wort unmissverständliche und nicht auslegungsbedürftige Schweizer Gesetzgebung:

« Präparate vom Typ Cannabis sind legal »

(Bernard Corboz, Bundesrichter, a. Generalstaatsanwalt des Kantons Genf, a. Vizepräsident des Bundesgerichts

Rechtsgutachten 8.4.1998)

« Der (indische) Hanf ist ein legales Medikament »

(Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte – Rechtsgutachten 29.9.2000).

Das sogenannte ‚Cannabisverbot‘ ist nicht gesetzlich verankert, gründet es ja einzig auf eine Verwaltungs- verordnung des EDI, die im Widerspruch zum höhergestellten BetmG steht, und auf die Bundesgerichts- sprechung (s. unten), die diesen Unsinn deckt und schützt: „Vor der höchsten richterlichen Instanz gilt offensichtlich die Regel, dass der politisch herrschende Wind die Richtung der Urteile bestimmt“ (`Weltwoche‘, 24.6.2010). Dass niemand in der Judikatur gegen dieses Unwesen aufbegehrt, ist Beweis der landesweiten Gleichschaltung der um ihre Arbeitsstelle besorgten Richterschaft.

Für Gesetzgeber, Mediziner und Leute mit Bildung und Anstand ist ein ‚Betäubungsmittel‘ ein labor- hergestellt synthetischer, suchtwirkender galenischer Stoff oder Präparat – also niemals ein Lebewesen (Tier, Pflanze) oder Teil davon. Dem ungeachtet setzt ein Martin SCHUBARTH (SP) – später wegen Unwür- digkeit geschasst, damals noch amtender Präsident des Bundesgerichts – dem Unrecht den Stempel höchster eidgenössischer Rechtssprechung auf (BGer 6S.29/2000). Sinngemäss: „Die althergebrachte und harmlose Ackerpflanze Hanf non-indica gilt ab jetzt als gefährliches süchtigmachendes Betäubungmittel ‘’ – im Schlep- ptau ja-nickend, bar jeder Scham die vereinte Schweizer Richterschar.